Mauretanien zurück
Land und Leute
Das Regionalentwicklungsprojekt Sebkha
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Mauretanien
Geografische Lage: Westafrika
Fläche: 1'030'700 km²
Hauptstadt: Nouakchott
Ethnische Gruppen:

arabophone Mauren: 60%
Tukulor 28%
Soninké 8%
Wolof 2%
andere 1%

Religion: Sunnitischer Islam
Staatsform: Islamische Republik (Präsidialrepublik)
 
Geographie
Die Grenze zum Staat Senegal bildet der Senegalfluss, ein Beispiel einer unglücklichen Grenzziehung durch die europäischen Kolonisatoren, da auf beiden Seiten des Flusses vielfach die gleichen Volksgruppen leben. Intensiver Handelsverkehr und intakte kulturelle Beziehungen sind bis heute die Regel, die Grenze beinahe als rein virtuell zu bezeichnen.
 
Geschichte

Die französischen Kolonisatoren des 19. Jahrhunderts sahen das Land als geographische und kulturelle Brücke zwischen Nordafrika und Westafrika. Am Anfang des 21. Jahrhundert bietet sich dem Beobachter allerdings ein gänzlich anderes Bild. Wir haben stattdessen eine zwischen zwei kulturellen und linguistischen Traditionen zerrissene Gesellschaft, die eine tiefe Verwandlung erfährt. Der von der kolonialen Regierung zu Beginn 20. Jahrhundert initiierte Vorgang, die Nomaden des Landes zu einem sesshaften Leben zu zwingen, wurde durch eine ernste Trockenheit Mitte der Sechziger Jahre beschleunigt. Für die zwei folgenden Jahrzehnte war die daraufhin einsetzende Landflucht beispiellos und unaufhaltsam; Mauretanien ist von einer nomadisch pastoralen Gesellschaft zu einer hauptsächlich sesshaften, städtischen Lebensweise übergegangen. Große, früher pastorale Bevölkerungsgruppen wurden (von den Umständen oder der Regierung) gezwungen, den Boden zu verlassen, der nicht mehr genügend für das wirtschaftliche Überleben abwarf. Die schon damals beinahe überbevölkert zu nennenden Städte des Südens waren indessen nicht darauf vorbereitet, die große Zahl der Zuwanderer aufzunehmen.
Obwohl zum Teil kompensiert, hat die hohe und wachsende Säuglingssterblichkeit in den Siebziger und Achtziger Jahren die Urbanisierungsprobleme verschlimmert. Kombiniert mit einer geschwächten Wirtschaft haben die Urbanisierung und die Überbevölkerung zu einem generell niedrigen Lebensstandard geführt. In den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat die Regierung ihre spärlichen Mittel dazu aufgewendet, die Investitionen in Erziehungs-, Unterkunfts- und Gesundheitswesen zu erhöhen, um die grassierende Armut zu bekämpfen.

 
Bevölkerung
Wie viele Entwicklungsländer konnte Mauretanien keine präzisen Bevölkerungsstatistiken während der ersten Jahrzehnte seiner Unabhängigkeit zusammenstellen. Die Statistik der offiziellen Zählung vom Dezember 1976 zeigte etwas mehr als 1,4 Millionen Personen, einschließlich einer nomadischen Bevölkerung von ungefähr 513.000. Auf diesen Angaben basierte auch die Schätzung von 1987 von 1,8 Millionen, von denen ungefähr 50,25% weiblich waren. Die Regierung hat das jährliche Bevölkerungswachstum auf 1,6% in den Siebziger Jahren geschätzt, die Bewertungen der Vereinten Nationen (UNO) haben das Wachstum hingegen mit 2,9% (zwischen 1975 und 1985) angesetzt. Mit dem Satz 2,9% sollte die Bevölkerung Mauretaniens im Jahre 2000 2,5 Millionen erreicht haben. Man nimmt allgemein an, dass diese Wachstumsrate, die viel niedriger als jene vieler anderer afrikanischer Länder ist, in den Neunziger Jahren gestiegen ist. Die Brutto-Geburtenrate stieg im Vergleich zu 1965 laut Angaben der UNO von 45,1 pro 1.000 auf 50,1 pro 1.000 in den Achziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Brutto-Sterblichkeitsrate hingegen ist von 28 pro 1.000 im Jahre 1965 auf 20,9 pro 1.000 im Jahre 1980 gesunken. Die Säuglingssterblichkeit ist auf 137 pro 1.000 Geburten geschätzt worden. Die Lebenserwartung lag bei 42,4 Jahren bei Männern und bei 45,6 Jahren bei Frauen. Wie viele Entwicklungsländer ist die Bevölkerung Mauretaniens jung: im Jahre 1985 waren ca. 72% unter 30 Jahren, und 46,4% unter 15 Jahren alt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte lag im Jahre 1987 bei 1,8 Personen pro Quadratkilometer - das niedrigste Niveau in Westafrika. Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt: Die Zählung von 1976 zeigt, dass 85% südlich des 18°-Kreises, östlich von Nouakchott lebten. Die mauretanische Bevölkerung erfuhr infolge der Trockenheit und der Migration in den sechziger und siebziger Jahren dramatische Veränderungen: In den sechziger Jahren haben die pastoralen Nomaden (damals größtenteils Mauren) und die seßhaften Landwirte (damals meist Schwarzafrikaner) mehr als 90% der Bevölkerung gebildet. Mitte der achtziger Jahre zeigen Beobachtungen, dass nur noch etwas weniger als 25% der Bevölkerung nomadisch bzw. halbnomadisch lebten, während die Stadtbevölkerung bereits ca. 30% erreichte. Viele andere Faktoren haben ebenfalls zu dieser Veränderung der Lebensweise beigetragen, einschließlich eines langfristigen Planes aus der Kolonialzeit, die Nomaden umzusiedeln und neue mit den Minen und der Ausfuhrindustrie zusammenhängende Arbeitsplatzangebote einzurichten. Einige Quellen schätzen die seßhafte Stadtbevölkerung Mauretaniens gegen Ende der Achtziger Jahre auf mehr als 80% der Gesamtbevölkerung.
Mehr als irgendeine andere Stadt reflektiert Nouakchott, die Hauptstadt Mauretaniens, die durch schnelle und nicht kontrollierte Urbanisierung verursachten Probleme. Anfangs als kleine zentrale Verwaltungsstelle mit ca. 30.000 Einwohnern im Jahre 1959 errichtet, erreicht sie schon im Jahre 1970 mehr als 40.000 EW und wuchs in den siebziger Jahren um 15% bis 20% pro Jahr; diese schnelle Expansion hält auch am Anfang des 21. Jahrhunderts an (2005). Nur ca. ein Zehntel der Bevölkerung der Stadt hatte in den Achziger Jahren Zugang zu angemessenen Wohnungen. Der Mangel an Wasser und an Wohnraum sind ernste Probleme. Die meisten der Neuankömmlinge landen in sogenannten Kebbas (Vorstadtviertel), die im näheren Umfeld der Hauptstadt entstanden sind. Im Jahre 1983 schätzte ein französischer Forscher, dass mehr als 40% der Bevölkerung von Nouakchott in diesen Kebbas lebten und der Prozentsatz noch weiter steigen würde. Die Regierung Mauretaniens suchte internationale Hilfe, um das Bevölkerungsproblem zu bewältigen und den Zustrom der Menschen in die Städten zu stoppen, indem sie Boden und Saatgut sowie Transportmöglichkeiten all denen anbot, die eine Rückkehr auf das Land anzutreten bereit wären. Ein ambitioniertes Verlagerungsprogramm wurde im Jahre 1985 durchgeführt, aber in Anbetracht beharrlicher Trockenheit war es schwierig, der Bevölkerung annehmbare Perspektiven für ein Leben auf dem Land zu bieten.
Ungeachtet der massiven Arbeitslosigkeit ist eine wesentliche Anzahl an Ausländern - mehr als 15% der Arbeitskräfte im modernen Bereich - notwendig, um die Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften zu decken. Gleichzeitig verließen mehr als 600.000 Mauretanier ihr Land auf der Suche nach Beschäftigung außerhalb, in Westafrika, im Mittleren Osten und in Westeuropa.
 
Religion

So gut wie 100% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime malikitischer Richtung. Der Islam ist Staatsreligion. Ein Muslim, der zu einer anderen Religion übertritt, wird nach Artikel 306 des Strafrechts wegen Glaubensabfall (Ridda) mit dem Tode bestraft, was aber bislang kein einziges Mal vorkam.
Als im 7. Jahrhundert arabische Krieger das Banner des Islam in den "Fernen Westen", den Maghreb trugen, änderte sich am Leben der Völkergemeinschaft südlich der Sahara noch nichts. Der Islam verbreitete sich entlang der Handels- und Karawanenrouten durch die Sahara, blieb aber über Jahrhunderte hin eine Religion der "fremden Händler", bis sich auch die Oberschicht in den afrikanischen Stadtgemeinschaften für diese Religion interessierte und sich zum Islam bekehrte. Auch, als die großen Reiche Westafrikas im 11. Jahrhundert zum Islam konvertierten und vom Tschad-See (Kanem-Bornu) und dem Niger (Ghana, Songhai, Mali) aus der Islam weiter in das Gebiet eindrang, blieb das annimistisch geprägte Leben der Landbevölkerung erhalten. Muslime hatten - wie etwa aus dem Niger-Bogen berichtet wird - ihre eigene Stadt abseits der Königsstadt, sie führten ein eigenständiges Leben innerhalb der Königreiche, und wenn sich der Herrscher mit seiner Familie zum Islam bekehrte, dann war damit nicht auch gleichzeitig die Islamisierung des gesamten Staates verbunden. Islamische Einflüsse konzentrierten sich auf die städtischen Zentren, wo die Religion von einem Teil der herrschenden Klasse und der ausländischen Einwohner ausgeübt wurde. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts begannen dann zunächst die nomadischen Kunta-Araber, die Lehre des Islam zu predigen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts begann die Qadiriyya-Bruderschaft, zu der auch die Kunta-Araber gehörten, den Islam im gesamten westlichen Sudan zu verbreiten. Erst in dieser Zeit wandelte sich der Islam von der bloßen "Herrschaftsreligion" zur Religion des Einzelnen, aber nichtislamische Herrscherhäuser regierten in alten Moslemhochburgen bis ins 18. Jahrhundert hinein. Dann begann eine Reform des Islam bei den Fulbe und anderen Stämmen, die zugleich mit einer Ideologisierung und Radikalisierung einherging.
Heute gilt der Islam als Bindung zwischen den verschiedenen Ethnien und ist die einzige vom Volk anerkannte Legitimierung eines jeden Gesetzes.

 
Quelle: www.wikipedia.org
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"Sebkha" ist ein Stadtteil im Westen der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott. Der kleinere Teil gehört zur Altstadt, der grössere besteht aus kleinen Hütten, die ohne offizielle Bewilligung irgendwo auf dem flachen, sandigen Boden hingezimmert wurden. Viele Bewohner sind während der Dürre Mitte der 80er Jahre aus ländlichen Gemeinden in die Stadt geflohen.

 
Schule / Alphabetisierung

Drei Klassenzimmer wurden gebaut, wobei das Elternkomitee der Schule für 15% der Kosten aufkommen musste. 159 Schulbänke wurden repariert, die von 795 Schülern benutzt werden. Zudem wurden 50 Bänke für 400 Gymnasiasten gekauft.
Knapp 9000 Kinder konnten Schulmaterial mit einem Rabatt von 50% beziehen. Das Elternkomitee war für die Materialverteilung zuständig. Von den Einnahmen konnte das Komitee 10% behalten, um einen eigenen Kapitalstock für spätere Aktivitäten aufzubauen. Mit den restlichen Einnahmen wurden Nachhilfestunden für 950 Sechstklässler angeboten.
75 Mitglieder des Elternkomitees besuchten zwei Seminare zum Thema Schulmanagement und 14 Schuldirektoren zwei Workshops über Pädagogik und Schulleitung. 202 Lehrerinnen und Lehrer bildeten sich in Didaktik weiter.

30 Alphabetisierungsklassen mit 800 Teilnehmern wurden eröffnet. Der Inhalt dieser Kurse ist eng mit den konkreten Lebensbedingungen der Teilnehmenden verknüpft. So üben sie z.B. das Lesen anhand eines Textes, der die Behandlung von Durchfall bei Kindern zum Thema hat.
 
Gesundheit

Alle Patentkinder wurden medizinisch untersucht. 24 Kinder mit Parasiten, Hautkrankheiten oder Fieber wurden speziell behandelt und ein Mädchen mit starken Verbrennungen nach Dakar (Senegal) in eine Spezialklinik gebracht.
Durch verschiedene Informationskampagnen zu Themen wie AIDS, Ernährung oder Hygiene wurden über 80'000 Menschen erreicht.
Mit Sensibilisierungskampagnen wurden die staatlichen Impfkampagnen unterstützt. 4100 Kinder wurden gegen Kinderlähmung geimpft. Damit wurde bei den 3-5jährigen Patenkindern eine Impfdeckung von 99% erreicht.
60 Hebammen und Krankenschwestern nahmen an Weiterbildungsseminaren teil.
In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen wird das Gesundheitszentrum besser ausgerüstet. World Vision finanzierte eine Wasserzisterne, zwei Ausgüsse, einen septischen Tank, ein Solarpanel, vier Betonböden und zwei Gaslampen. Der Gesundheitsposten bietet u.A. kostenlose vor- und nachgeburtliche Untersuchungen für Frauen an.

 
Wasser / Hygiene

Für 80 Mitglieder der verschiedenen Wasserverwaltungskomitees wurden 4 Seminare durchgeführt. Inhalt waren Themen wie Hygiene, Unterhalt der Wasserzisternen und Buchhaltung.
Ein Spezialprojekt von World Vision USA ermöglichte den Bau von 5 Wasserzisternen.
5 Latrinen wurden an Primarschulen für 4200 Kinder und 2 im Gesundheitsposten gebaut.
Mehrere Sensibilisierungskampagnen zum Thema Abfallsammlung wurden durchgeführt und erreichten ca. 1700 Familien. Damit wurde den Bewohnern der Zusammenhang zwischen Hygiene und Gesundheit bewusst gemacht.
Über 100 Jugendliche lernten wie man Bäume pflanzt und pflegt. Dies diente als Vorbereitung für eine Baumpflanzaktion, die dem Vorrücken der Sanddünen in die Stadt Einhalt gebieten soll. Über 1000 Bäume wurden gepflanzt.

 

Jugend

200 Jugendgruppenleiter, davon 80 Frauen, kamen in den Genuss von Kursen im Bereich Organisation und Durchführung von Anlässen.
50 junge Frauen und Männer wurden in Kalligrafie ausgebildet. 30 junge Frauen lernten Nähen und Sticken und 20 junge Männer besuchten einen Kurs in Fotografie. In diesen Kursen lernten die Jugendlichen auch, eigene Projekte zu planen und aufzubauen. Die neu erworbenen Kenntnisse und eine Starthilfe von 10% des benötigten Budgets helfen ihnen, eigene Aktivitäten zu beginnen um zum Einkommen ihrer Familie beizutragen.
12 kulturelle und sportliche Anlässe für Kinder wurden mit Material unterstützt.

 

Einkommensförderung

60 Frauen aus 3 Frauengruppen nahmen an einem Stofffärbekurs teil. Das Projekt stellt ihnen eine erste Garnitur Stoff und Farbe zur Verfügung. Bereits konnten sie erste Produkte auf dem Markt verkaufen. Mit den Einnahmen können sie ihr Einkommen aufbessern und neues Material einkaufen. Sie wurden ausserdem in Buchhaltung und Haushaltsführung geschult. Dank dieser Schulung erhalten sie nun Zugang zu Kleinkrediten.

 
Unterstützung auf einen Blick
Bau von 3 Klassenzimmern
Reparierung und Kauf von 209 Schulbänken
Abgabe von Schulmaterial
Nachhilfestunden für 968 Sechstklässler
Weiterbildung von Elternkomitees, Schuldirektoren und Lehrern
Eröffnung von 30 Alphabetisierungsklassen
Medizinische Untersuchung aller Patenkinder
Impfung von 4121 Kindern gegen Kinderlähmung
Durchführung von Informations- und Sensibilisierungskampagnen
Weiterbildung für Hebammen und Krankenschwestern
Ausrüstung des Gesundheitszentrums
Bau von 7 Latrinen
Pflanzung von 1000 Bäumen
Ausbildung von Jugendlichen und Frauen in handwerklichen Techniken
Unterstützung von kulturellen und sportlichen Anlässen
 

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